Soforthilfe und Stützungsdarlehen für die Wirtschaft in der Corona-Krise

Ein Kommentar vom Sanierungsexperten Thomas Planer

Seit 18. März sind in Bayern sogenannte „Soforthilfen“ und bundesweit weitere Unterstützungsleistungen für Unternehmen abrufbar, die unter der Corona-Krise leiden. An sich ein wichtiger, ein notwendiger Schritt. Aber sind auch die Mittel die Richtigen?

Sofern die Antragsbedingungen der Soforthilfe so bleiben, können nur diejenigen Unternehmen beantragen, bei denen die Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist, die sich also ohnehin nicht mehr bewegen können. Unternehmen, die Aussicht auf Sanierung haben und deswegen „rechtzeitig" beantragen, also noch Liquidität besitzen, werden abgelehnt werden müssen. Es werden also nur perspektivlose Unternehmen gefördert! Kann das im Sinne aller sein?

Ferner wird vom Einsatz des Privatvermögens gesprochen. Was ist mit Unternehmen, die in der Rechtsform einer GmbH geführt werden? Meint man dann das Privatvermögen der Gesellschafter? Müssen hier die Gesellschafter erst Haus und Hof liquidieren, um diese Soforthilfe bewilligt zu bekommen?

So wie das jetzt gestrickt ist, ist das keine tatsächliche Hilfe!

Auch die anderen geplanten „Hilfen“ mit den bereits bekannten LFA-Darlehen oder Bürgschaften werden nicht helfen: Die ersten Gespräche, die wir von Planer & Kollegen GmbH mit Banken führten haben ergeben, dass hier sehr wohl nur an Unternehmen mit guter Bonität vergeben wird. Darüber hinaus braucht es zur Genehmigung ebenso einer fachmännischen positiven Fortführungsprognose.

Den Fachmann möchte ich sehen, der hier für ein KMU eine positive Fortführung bestätigen kann, angesichts der Unsicherheiten, welche Folgen das Coronavirus der Weltwirtschaft zufügen wird!

Thomas Planer geschäftsführender Gesellschafter und Sanierungsexperte von Planer und Kollegen
Thomas Planer, geschäftsführender Gesellschafter Planer & Kollegen GmbH

Wir als Sanierungsspezialist werden uns da ebenso schwertun, eine solche Fortführungsprognose abzugeben. Darüber hinaus sind diese Darlehen gegenüber der Bank nur mit sogenannten Ausfallbürgschaften der LfA/KfW abgesichert. Für den Unternehmer heißt das in der Zusammenfassung, dass auch er, vermutlich persönlich, diese Kredite besichern und verbürgen muss und für den Fall des Kreditausfalls zuerst er in die Haftung genommen wird, seine Sicherheiten und Vermögen verwertet werden, und erst, wenn dann nichts mehr zu holen ist, die Ausfallbürgschaft greift. Die Bank ist also gezwungen, den Unternehmer erst zu vollstrecken, bevor sie an die Ausfallbürgschaft ran kann.

Wenn so die „Hilfen“ in der Corona-Krise aussehen, dann kommt die größte, je dagewesene Pleitewelle auf diese Volkswirtschaft zu.  Mit heutiger Regierungserklärung forderte Herr Söder einen noch deutlich umfangreicheren „Schutzschirm“ für alle deutschen Unternehmen. Wie nah an der unternehmerischen Realität dieser dann sein wird, bleibt abzuwarten. Die aktuell getroffenen Maßnahmen sind es jedenfalls nicht.