„Mythen um die Insolvenz“


„Mythen um die Insolvenz“


Eigenverwaltung - Das Honorar des Sanierers

 

Vielfach besteht die Meinung, dass grundsätzlich in einem Eigenverwaltungsverfahren das Honorar des Sanierers und die Vergütung des Sachwalters die Vergütung des Insolvenzverwalters im Regelinsolvenzverfahren nicht übersteigen dürfen.

 

Gründe hierfür dürften in der Frage der Gläubigerbenachteiligung liegen. Aber werden die Gläubiger in jedem Falle und tatsächlich benachteiligt?

 

So wird im Kommentar Braun zur InsO (7 Auflage, Beck, S 1349) eindeutig festgestellt, dass die Hinzuziehung externer Berater, also auch des Sanierungsberaters nicht zu Nachteilen für die Gläubiger führt, sondern durch Eigenverwaltung nach §270a InsO eine höhere Quotenerwartung für die Gläubiger begründet wird.

 

Insofern rechtfertigt sich hier auch der Sachverhalt, dass die Kosten der Eigenverwaltung, einschließlich der Kosten für den Sanierer, durchaus höher liegen können, als in einem Regelinsolvenzverfahren.

 

In einem uns bearbeiteten Fall beispielsweise rechtfertigt sich dieser Sachverhalt:

 

Das schuldnerische Unternehmen besitzt nur geringe werthaltige Wirt-schaftsgüter, die in einer Regelinsolvenz (Liquidation), gem. Gutachten im Zuge der Liquidation des Unternehmens einen Wert von rund € 60.000,00 darstellen.

 

In einer Regelinsolvenz stünden somit also diese rund € 60.000,00 die verteilbare Masse dar, zuzüglich eventueller Anfechtungsansprüche, die allerdings auch in der Eigenverwaltung zur Quote gerechnet werden.

Eine Regelinsolvenz bei der vorliegenden Schuldnerin führte dazu, dass nahezu sämtliche Auftraggeber ihre Aufträge umgehend eingestellt hätten und, aufgrund der zu erwartenden Personalfluktuation, wäre selbst eine Ausproduktion höchstwahrscheinlich nur im geringsten Ausmaß erfolgreich gewesen.

Eine Regelinsolvenz führt damit eindeutig zu einer signifikant schlechteren Quotenerwartung für die Gläubiger als das, auch von den Gläubigern präferierte, Eigenverwaltungsverfahren.

Im Zuge der vorliegenden Eigenverwaltung konnten alle Aufträge erhalten und sogar neue lukrative Auftrage akquiriert werden. Durch diese Wertschöpfung profitieren die Gläubiger durch eine deutlich höhere zu erwartende verteilungsfähige Masse.

 

Ferner profitieren die Gläubiger von der, erst durch die Eigenverwaltung ermöglichten wirtschaftlichen Fortführung im Zuge eines M&A-Prozesses, denn nur ein profitables Unternehmen besitzt auch einen Unternehmenswert. Dieser addiert sich in diesem Fall zu der vorgenannten verteilbaren Masse hinzu. Ausgehend von einem erfolgreichen M&A-Prozess dürfte sich damit die verteilbare Masse um geschätzt € 150,000,00 bis 200.000,00 erhöhen. Selbst wann man hiervon € 25.000,00 für, die Regelinsolvenz übersteigende Kosten des Sanierers in Abzug brächte, ist das wirtschaftliche Ergebnis für die Gläubiger um mindestens € 125.000 vermutlich  jedoch € 175.000,00 höher als in der Regelinsolvenz.

 

Ferner hat es die Schuldnerin, mit Hilfe des erfahrenen Sanierers geschafft, die Auftragssituation zu stabilisieren. Die derzeitige Auftragslage lässt eine kostendeckende Fortführung des Eigenverwaltungsverfahrens zu. Aufgrund der derzeit sich in Akquisition befindlichen Aufträge ist sogar von einer weiteren Wertschöpfung im Eigenverwaltungsverfahren auszugehen.

 

Die Hinzuziehung externer Dienstleister, also auch des Sanierers, unterliegt ebenso auch nicht der Zustimmungsbedürftigkeit des Sachwalters nach §277 InsO. Hier wird die Zustimmung zu „bestimmten Rechtsgeschäften“ angesprochen. Aus diesem Wortlaut allein ergibt sich außerdem, dass die Zustimmungsbedürftigkeit die Ausnahme bleiben muss. (Siehe Kommentar Braun zur InsO (7 Auflage, Beck, S 1382 und Hofmann, ZIP Praxisbuch, RWS Verlag, S. 70 ff, RNr 229 mit 232).

 

Ein Sanierer ist in einer Eigenverwaltung nach §270a InsO nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

 

Eine Hinzuziehung externer Sachkompetenz liegt daher allein im Ermessen des Schuldners.

 

 

 

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