5 gute Gründe für die Eigenverwaltung – auch und gerade in der Corona-Krise

Warum sich die Staatshilfen nicht immer günstig für Unternehmen auswirken

Die aktuelle Situation bringt viele Unternehmen in Deutschland ins Schlingern, die Corona-Krise trifft vor allem kleine und mittlere Unternehmen besonders hart. Bereits Ende März schnürte die Bundesregierung ein „Rettungspaket“, dass gerade diesen Unternehmen unter die Arme greifen sollte: Soforthilfe, LfA/KfW-Darlehen, Bürgschaften und Beteiligungen. Was auf den ersten Blick wie der rettende Strohhalm aussieht, kann sich für einige Firmen zum Bumerang entwickeln. Sanierungsexperte Thomas Planer, Geschäftsführer der Planer und Kollegen GmbH, Landsberg a. L., hat die Staatshilfen unter die Lupe genommen – und zeigt auf, warum der Gang in die Eigenverwaltung in vielen Fällen die bessere Alternative ist.

1. Eigenfinanzierung statt Neuverschuldung

Auch wenn LfA/KfW-Darlehen mit niedrigen Zinssätzen locken – es sind doch Darlehen, die später zurückgezahlt werden müssen. Die zu leistende Kapitaldienst verschiebt den Liquiditätsengpass möglicherweise nur nach hinten – in einen Zeitraum, in denen der Betrieb erst wieder anläuft, die Umsätze vermutlich geringer ausfallen. Bei der Eigenverwaltung hingegen reichen die Eigenfinanzierungseffekte durch Insolvenzgeld, Umsatzsteuerprivileg, etc., meist aus, um das Unternehmen aus der Krise zu führen.

2. Miet- und Leasingverträge neu verhandeln statt zu stunden

Kann ein Unternehmen aufgrund der Corona-Einschränkungen und daraus resultierenden Umsatzeinbußen die Miete für Geschäftsräume oder -Flächen nicht mehr bezahlen, kann die Zahlung bis zum 30. Juni ausgesetzt und dann binnen zwei Jahren nachgezahlt werden. Auch hier wird die Zahlung lediglich in die Zukunft verschoben. Die Eigenverwaltung gibt dem Unternehmer das notwendige Werkzeug an die Hand, hier Anpassungen schnell und effektiv durchzuführen. So können belastende Leasing- oder Mietverträge kurzfristig gekündigt (oder neu verhandelt), verlustbringende Aufträge oder Unternehmensteile abgestoßen werden.

3. Flexibilität statt Abhängigkeit

Auch wenn nun, sieben Wochen nach dem Lockdown, ein erster Zeitplan zum Neustart angedacht ist, kann niemand mit Sicherheit sagen, wie lange die wirtschaftlichen Folgen noch fühlbar sind – von einem möglichen zweiten Lockdown ganz zu schweigen. Kurzarbeit, Soforthilfe und Kredite versprechen kurzfristig Liquidität, sind jedoch – absolut verständlicherweise – an strikte Richtlinien und Vorgaben gebunden. In der Eigenverwaltung schafft sich der Unternehmer eine „Sanierungsblase“, in der er, ohne große Störfaktoren von außen, sämtliche Maßnahmen durchsetzen kann, die notwendig sind, das Unternehmen an die Krisensituation anzupassen und es langfristig wieder auf sichere Beine zu stellen.

4. Selbstbestimmung statt staatlicher Beteiligungen und Bürgschaften

Das staatliche Rettungsprogramm sieht umfangreiche Staatsbürgschaften, sogar Staatsbeteiligungen vor. Das kann in Ausnahmefällen das Unternehmen natürlich schützen, beschneidet jedoch in hohem Maße die Entscheidungsfreiheit des Unternehmers. Bei der Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt der Unternehmer „driver’s seat“ und führt das Unternehmen, gemeinsam mit einem erfahrenen Unternehmenssanierer, sicher durch die Krise.

5. Rechtssicherheit statt Risiko

Die Soforthilfe, die kleinen und mittelständischen Unternehmen zur Verfügung steht, ist an klare Kriterien gebunden. Streng ausgelegt ist nur antragsberechtigt, wer bereits jetzt seinen laufenden Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Ein Unternehmen, dass sich bereits nach wenigen Wochen nicht mehr bewegen kann, war auch schon vor Eintritt der Krise wirtschaftlich nicht gesund. Der schwerwiegende Vorwurf der Insolvenzverschleppung kann im Raum stehen. Beantragt das Unternehmen jedoch die Eigenverwaltung, entfällt für die Geschäftsführer das zivil- und strafrechtliche Haftungsrisiko der Insolvenzverschleppung oder der nachträglichen Aberkennung der (vorher angenommenen) Sanierungsfähigkeit (die zur Erlangung der Straffreiheit vorausgesetzt, aber nicht definiert ist) vollständig.

Fazit

Natürlich war das Rettungspaket als schnelle Reaktion der Regierung gut gemeint, nach Thomas Planers Dafürhalten sind sie jedoch nicht bis zu Ende gedacht. Warum also nicht ein seit 2012 bewährtes Sanierungsinstrument der Insolvenz in Eigenverwaltung einsetzen, mit dem Sanierer, Sachwalter und Unternehmer bereits beste Erfahrungen haben? Es wäre für viele Unternehmen gerade der richtige Schritt aus dieser Krise in die Zukunft.