Logo des Modehaus Schmederer

Das Verfahren wurde nun eröffnet. OVB Heimatzeitungen vom 5. April 2019

Gericht bestätigt Eigenverwaltung

Traditionskaufhaus Schmederer

Er wolle weitermachen, gab sich Christian Rädeke, Inhaber des insolventen Mühldorfer Modehauses Schmederer, im Januar kämpferisch. Da hatte er einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das Verfahren wurde nun eröffnet.

von Elisabeth Sennhenn

Mühldorf – Große Erleichterung herrscht derzeit beim alteingesessenen, insolventen Modehaus Schmederer am Mühldorfer Stadtplatz: Das Amtsgericht Mühldorf hat das im Januar dieses Jahres beantragte Eigenverwaltungsverfahren nun offiziell eröffnet (wir berichteten).

Inhaber Christian Rädeke sagt, es freue ihn, dass es mit diesem wichtigen Schritt nun vorangehen könne in die herbeigesehnte Sanierung des Modehauses: „Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens freut uns sehr. Nicht zuletzt dank dieser Entscheidung schauen wir sehr optimistisch in die Zukunft.“ Die Geschäftsführung werde vom erfahrenen Sanierungsexperten Klaus Ziegler der Landsberger Kanzlei Planer & Kollegen unterstützt.

Betrieb wird auf den Kopf gestellt

Auch Sanierungsberater Ziegler, der den Prozess gemeinsam mit dem gerichtlich bestellten Sachwalter Dr. Alexander Fridgen von der Kanzlei Spliedt Rechtsanwälte aus Traunstein begleiten wird, zeigt sich zuversichtlich: „Die Verfahrenseröffnung zeigt, dass das Modehaus Schmederer nicht nur als sanierungswürdig, sondern auch als sanierungsfähig eingeschätzt wird.“ Gemeinsam werde man den gesamten Betrieb nun „weiter auf den Kopf stellen, Prozesse durchleuchten und neu definieren“. Das Ziel: Das Modehaus wieder fit machen für eine sichere Zukunft.

Der Umsatz des Unternehmens liegt nach eigenen Angaben im gut siebenstelligen Bereich. Es wird nach einem strategischen Investor gesucht, mit dem man gemeinsam das Geschäftsmodell in Richtung einer tragfähigen und zukunftsträchtigen Lösung verändern kann. Das Modehaus Schmederer ist ein Familienunternehmen und inhabergeführt, es wurde 1947 gegründet. Derzeit hat das Unternehmen 48 Mitarbeiter, bei zwei wurden befristete Arbeitsverträge nicht verlängert.

Der Fokus des aktuellen Verfahrens werde auf der Sanierung und Neuausrichtung des Bekleidungsgeschäfts liegen, so die Beteiligten. Durch die modernisierte Insolvenzordnung und die damit verbundene Eigenverwaltung bleibe Geschäftsführer Christian Rädeke in vollem Umfang handlungsfähig, schildert Berater Ziegler.

Das Besondere an der Insolvenz in Eigenverwaltung sei, dass – anders als bei einer Regelinsolvenz – kein externer Insolvenzverwalter ins Haus komme . „In dieser Funktion agiert vielmehr die Geschäftsleitung.“ Was die Sanierung des Modehauses betrifft, ist Klaus Ziegler schon zum jetzigen Zeitpunkt optimistisch: „Die Reaktion aus dem unmittelbaren Umfeld war extrem positiv. Ich hatte schnell den Eindruck, dass ganz Mühldorf das Modehaus erhalten will.“ So habe sich die Unterstützung der Kunden beispielsweise gleich am ersten Wochenende nach der Antragsstellung in steigenden Umsätzen widergespiegelt. Auch Christian Rädeke ist von der positiven Resonanz in Mühldorf überwältigt: „Unsere Kunden halten uns die Stange. Dafür und für die überwiegend positiven Reaktionen, die wir seit der Insolvenz-Ankündigung erfahren haben, sind wir unendlich dankbar.“ Auch seine 50 Mitarbeiter hätten in der schweren Zeit zu ihm und dem Haus gestanden.

Kostenstrukturen unter der Lupe

Erste Maßnahmen, um sich künftig wettbewerbsfähiger aufzustellen, hat das in dritter Generation geführte Familienunternehmen während des Sanierungsprozesses schon getroffen. So wurde eine der Schmederer-Filialen im Rahmen einer Sortimentsoptimierung bereits in das Haupthaus integriert. Eine Entscheidung, die sich, so Ziegler, schon jetzt positiv auf die Geschäftszahlen auswirkt. Des Weiteren ist im Zuge der Sanierung geplant, das stationäre Konzept und die Kostenstrukturen unter die Lupe zu nehmen. Schmederer-Geschäftsführer Rädeke: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir aufgrund der bisherigen Restrukturierung bald wieder schwarze Zahlen schreiben werden.“

Eine Neuausrichtung sei dringend notwendig. So ist Schmederer nicht zuletzt aufgrund eines überall zu beobachtendem Phänomen im Einzelhandel in finanzielle Schieflage geraten: Umsatzrückgänge durch die wachsende Konkurrenz des Online-Handels.

Für Experte Ziegler sind die Entwicklungen seit der Antragsstellung deutliche Anzeichen für eine erfolgreiche Sanierung: „Die vergangenen Wochen zeigen, dass der Prozess zu keinem Zeitpunkt als das Ende von Schmederer zu sehen ist, sondern vielmehr als Standortbestimmung und wichtiger Schritt hin zu einer Neuausrichtung.“

Parallel sucht man Investoren

Bei der erfolgreichen Neuausrichtung des Traditionsunternehmens soll zudem ein Investor helfen, der, so die Erwartung der Sanierer, die neue strategische Ausrichtung des Unternehmens erfolgreich mit voranbringt. So sei das Eigenverwaltungsverfahren auch angestrengt worden, um interessierten Investoren neue Potenziale anzubieten und das Geschäftsmodell nachhaltig auf diese Marktpotenziale auszurichten. Mit dieser Suche sind Klaus Ziegler und Christian Rädeke nun ebenfalls beschäftigt.

Schuldner behält Finanzhoheit

Die Eigenverwaltung nach § 270a Insolvenzordnung ist ein Instrument zur Sanierung und Restrukturierung. Es kann zum Einsatz kommen, wenn eine Insolvenz nicht mehr zu vermeiden ist, das Unternehmen aber gleichwohl über einen fortführungswürdigen Geschäftsbetrieb und eine konkrete Perspektive verfügt. Die Eigenverwaltung bedeutet, dass der Schuldner die Verfügungsgewalt und Finanzhoheit über sein Unternehmen behält und insoweit Herr des Geschehens bleibt – anders als im herkömmlichen Insolvenzverfahren, in dem die Unternehmensführung die Kontrolle an den Insolvenzverwalter abgibt. Bei der Eigenverwaltung agiert der Unternehmer selbst als Insolvenzverwalter. Meist verfügen diese nicht über das nötige Know-how – hier kommt der Sanierungs- und Insolvenzverwalter ins Spiel. In Zusammenarbeit mit der Unternehmensführung geht er auf Gläubiger, Banken und Partner zu, um alle Beteiligten sowie das Insolvenzgericht in den Prozess einzubinden. Professionalität, Kompetenz und Transparenz in der Durchführung sorgen für Vertrauen – die wichtigste Säule für eine letztlich erfolgreiche Sanierung.