WEIHBRECHT Lasertechnik

In Eigenverantwortung aus der Insolvenz Haller Tagblatt vom 18.06.2020

Das Unternehmen Weihbrecht Lasertechnik GmbH aus Wolpertshausen ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Die Gründe dafür scheinen Altlasten zu sein.

Franziska Weihbrecht-Stein führt den Betrieb, den ihr Vater gegründet hat, alleine. Die Inhaberin ist im fünften Monat schwanger.Foto: just

von Jürgen Stegmaier

Wolpertshausen. Die Firma Weihbrecht Lasertechnik aus Wolpertshausen ist in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Aus eigener Kraft will Franziska Weihbrecht-Stein da raus.

Hohe Ruhestandszusagen sowie die auf lange Sicht nachteilige Finanzierung des Betriebsgebäudes haben die Weihbrecht Lasertechnik GmbH an den Rand der Zahlungsunfähigkeit getrieben. „Bei der Übergabe wurden Fehler gemacht“, räumt Franziska Weihbrecht-Stein ein.

Sie hat das Unternehmen im November 2018 von ihrem Vater übernommen. Jetzt ist sie dabei, den Betrieb in Eigenverwaltung aus der Insolvenz zu befreien. Die alleinige geschäftsführende Gesellschafterin sowie der Sanierer Thomas Planer gehen davon aus, dass dies im Lauf der nächsten Monate gelingen wird.

Den Beschluss, dass Weihbrecht in Eigenverantwortung versuchen kann, die Insolvenz zu vermeiden, erließ das Amtsgericht Heilbronn Anfang Juni. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Thomas Karg bestellt.

Neue Abkantpresse

Ein Hinweis darauf, dass Weihbrecht wieder in die Spur findet, könnten die Investitionen sein, die im Lauf des Jahres getätigt wurden. In eine neue Abkantpresse sowie einen Laser wurden rund eine Million Euro investiert, macht die Inhaberin deutlich. Die Firma fertigt nach den Vorgaben ihrer Kunden Metall- und Kunststoffteile. Eine große Rolle würden die Auftraggeber aus der Pharmabranche spielen, weniger die Automobilhersteller. „Es bestehen keine Abhängigkeiten. Es gibt eine breite Kundenstruktur“, betont Thomas Planer. Der Betrieb sei gesund, das Auftragsbuch voll, die Kunden seien zufrieden, erklären die Unternehmerin sowie der Sanierer.

In den vergangenen fünf Jahren habe der Umsatz stets um die sieben Millionen Euro betragen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die Weihbrecht in diesem Frühjahr vors Insolvenzgericht gebracht haben, wurden erstmals 2015 deutlich.

Bei der Übergabe des Betriebs vom Vater auf die Tochter seien gravierende Fehler gemacht worden, räumt die Unternehmerin ein. „Wir wollten das damals schnell und unkompliziert lösen. Dabei haben wir leider einiges außer Acht gelassen“, erklärt Franziska Weihbrecht-Stein.

An den großzügigen Pensionszusagen an ihre Eltern sowie der Finanzierung des Gebäudes hat der Betrieb zu knabbern. Das Betriebsgebäude in Wolpertshausen wurde einst verkauft mit dem Ziel, es zurückzumieten. „Damals war das eventuell interessant. Aber auf lange Sicht ist es viel zu teuer“, macht der Unternehmensberater Thomas Planer deutlich. Für diese beiden Altlasten gehe die gesamte Liquidität und Ertragskraft drauf, sagt Planer. Auf lange Sicht werde das Unternehmen handlungsunfähig.

Der Unternehmensberater spricht vom Werkzeugkasten, den das Insolvenzrecht biete. Es würden sich Möglichkeiten ergeben, um aus alten Verträgen auszusteigen sowie Konditionen neu zu verhandeln. So könne der Betrieb wieder in die Lage kommen, sich zu tragen.

Von Corona verschont

Von der Corona-Krise sei Weihbrecht bislang weitgehend verschont geblieben, versichert die Unternehmerin. Durch die aktuelle Lage sehe Sanierer Thomas Planer eher Chancen als Risiken. Er rechnet bei einer Marktbereinigung mit guten Perspektiven für Weihbrecht.

Nicht infrage stehe die betriebliche Altersvorsorge für die Mitarbeiter, sagt die Inhaberin, die einst im elterlichen Betrieb den Beruf der Industriekauffrau gelernt hat und jetzt allein die Verantwortung trägt. Die Verpflichtungen an die Mitarbeiter seien geschützt.

Franziska Weihbrecht-Stein macht deutlich, dass sie den Beschäftigten Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und Prämien zahlen wolle, sobald die wirtschaftliche Lage dies erlaubt. Bisher sei dies nicht möglich gewesen.