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Mieten zu hoch, Mut zu klein Donaukurier 03.07.2019

Köschinger Modehaus Absolut Pogo hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet

Modeunternehmen Absolut Pogo Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. | Foto: Eberl
Erst im September hat Karlheinz Pogoretschnik seinen neuesten Laden Rulebreaker an der Moritzstraße in Ingolstadt eröffnet. Schon wenige Monate später kündigten Plakate die Geschäftsaufgabe an - aktuell läuft noch der Räumungsverkauf. Nun hat Pogoretschnik für sein Modeunternehmen Absolut Pogo Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. | Foto: Eberl

Kösching (DK) Das Köschinger Modehaus Absolut Pogo steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Die Geschäftsführung geht aber davon aus, dass eine vollständige Sanierung möglich ist: Das Unternehmen geht in Eigenverwaltung. Den entsprechenden Antrag hat das Amtsgericht Ingolstadt Ende Juni bestätigt. Wie viele Arbeitsplätze in Gefahr sein könnten, ist noch nicht bekannt.

Vor allem die Köschinger sprechen in Bezug auf das Modeunternehmen meist schlicht vom "Pogo". Seit Jahrzehnten verkauft die Familie Pogoretschnik mit Hauptsitz an der Unteren Marktstraße Kleidung. Nun hat die Textil-Einzelhandels-GmbH Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Diesen Schritt kündigt Geschäftsführer Karlheinz Pogoretschnik über eine Agentur als "gute Nachrichten für die Geschäftsleitung, alle Mitarbeiter und Lieferanten sowie die rund 70 000 Stammkunden" an. Ziel sei die vollständige und zukunftsträchtige Sanierung des Modeunternehmens.

Insolvenz in Eigenverwaltung

Dass dies durchaus möglich ist, bestätigt Thomas Planer von der 1988 gegründeten Planer & Kollegen GmbH aus Landsberg/Lech, der das Verfahren als Sanierungsexperte begleitet: "Der Beschluss des Amtsgerichts macht deutlich, dass unser Mandant nicht nur als sanierungswürdig, sondern auch als sanierungsfähig eingeschätzt wird." Dieser ist offenbar zuversichtlich, sein Unternehmen retten zu können. "Wir wollen das Eigenverwaltungsverfahren nun explizit dazu nutzen, neue Wege zu beschreiten, auf Zukunftsthemen zu setzen und digitaler zu werden", lässt Pogoretschnik über die Agentur mitteilen. Für eine weitere Stellungnahme war er am Dienstag nicht zu erreichen.

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist ein 2012 eingeführtes Sanierungsinstrument, das Unternehmen die Perspektive bietet, sich über eine Neuausrichtung wieder fit für die Zukunft zu machen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Insolvenzverfahren agiert die Unternehmensführung selbst als Insolvenzverwalter. Pogoretschnik behält somit die Verfügungsgewalt und Finanzhoheit über seinen Betrieb und bleibt Herr des Geschehens. Konkret heißt das laut der Pressemeldung: "Das Unternehmen bleibt erhalten, der Geschäftsbetrieb geht weiter."

Der laut Planer "ausschlaggebende Auslöser für das Insolvenzereignis" war, dass sich Pogoretschnik mit einem sogenannten Zentralregulierer nicht mehr über geschäftliche Konditionen einigen konnte. Die Zentralregulierung ist eine Art Abrechnungssystem. Über dieses werden Zahlungen zwischen Lieferanten und Mitgliedern von Einkaufsgemeinschaften - Absolut Pogo ist Planer zufolge Mitglied einer solchen - abgewickelt. Aufgrund der Uneinigkeit hat der Zentralregulierer, den Planer aus Datenschutzgründen namentlich nicht nennen möchte, der Firma gekündigt, sodass alle ausstehenden Forderungen auf einen Schlag fällig geworden sind. "Das ist eine hohe Summe, die der Händler nicht auf einmal zahlen kann", erläutert der Experte im Gespräch.

Das Unternehmenskonzept muss grundsätzlich geändert werden

Die weiteren Ursachen für die finanzielle Krise sind laut Planer vielfältig - allen voran die "übliche Problematik der Einzelhändler, dass sich das Einkaufsverhalten in Richtung Internet wandelt". Und da weist Absolut Pogo deutliche Defizite auf: Das Modehaus braucht Planer zufolge nicht nur den Mut zu Nischenprodukten, durch die es sich von anderen (Internet-)Händlern unterscheidet. "Das Unternehmen hat die Entwicklungen gerade im Internet versäumt", fügt der Berater an. Im Wesentlichen meint er damit einen eigenen Onlineshop als Ergänzung zu den Läden. Der fehlt komplett, wie ein Blick auf die Homepage zeigt. Das digitale Konzept müsse künftig außerdem elektronische statt postalische Kundeninformationen sowie eine Automatisierung der kaufmännischen Vorgänge umfassen.

Auch mit der Auswahl der Geschäfte, die Pogoretschnik bayernweit betreibt, ist Planer nicht zufrieden. Er spricht von einer falschen Einschätzung. "Die Mietkosten stehen teils nicht im Verhältnis zu den dort gemachten Umsätzen und sind damit verlustbringend", erklärt der Experte. Welche Läden dies betrifft, will Planer aufgrund von anstehenden Verhandlungen noch nicht öffentlich kundtun. "Ich möchte mich erst mit den Vermietern zusammensetzen", sagt er. Natürlich sollen so viele Filialen wie möglich offen bleiben, aber "wir werden einige wenige Läden haben, bei denen es angesichts der Lage und der Miete schwierig wird, sie rentabel zu halten".

Mit den anstehenden Sanierungsmaßnahmen einher geht laut Planer, wie viele Angestellte langfristig eventuell um ihren Job fürchten müssen. Diese werden am Mittwochvormittag in einer Mitarbeiterversammlung in Kösching über das weitere Vorgehen informiert. Bisher wissen nur Führungskräfte von der finanziellen Notlage. "So viele Arbeitsplätze wie möglich sollen natürlich erhalten werden", betont der Unternehmensberater und verspricht: "Das Geld für die nächsten drei Monate ist gesichert, in dieser Zeit wird es keine Lohnrückstände geben."

Wie stark das Unternehmenskonzept grundsätzlich geändert werden muss, kann Planer noch nicht abschätzen. "Wenn wir es an den Markt anpassen, bin ich aber überzeugt, dass bald wieder Ertrag erwirtschaftet werden kann", sagt der Experte. Wenn alle an einem Strang ziehen, stehe Absolut Pogo also eine erfolgreiche Zukunft bevor.

Von Tanja Stephan